Heiland
von Peter Borjans-Heuser
Wenn täglich Kinder vollgedröhnt,
an Lüge und Gewalt gewöhnt,
an jene Auswahl an Idolen
des Schattenreichs von Dieter Bohlen,
so schamlos und voll Langeweile ...
macht's der Lehrer wieder heile.
Und wenn der Lehrer nicht mehr kann,
ist der Sozialpädagoge dran.
Wenn unsre großen Bildungshüter
am Umschlagplatz der Bildungsgüter
die Schüler unbarmherzig trennen,
nach dem, was sie "Begabung" nennen,
damit man "typgerecht" verteile ...
macht's der Lehrer wieder heile.
Und wenn der Lehrer das nicht kann,
muss der Sozialpädagoge ran.
Wenn Kinder, die im Ghetto leben,
kaum jemals ihren Blick erheben
und zwischen kulturellen Schranken
nur immer wieder Stumpfsinn tanken
in ihrer engen Häuserzeile ...
macht's der Lehrer wieder heile.
Und ist der zuende mit seinem Latein,
dann setzt die Sozialpädagogik ein.
Wenn Kinder wachsen unerzogen,
verwahrlost, Mutter unter Drogen,
der Vater säuft, ist dauernd blau.
Am Morgen sieht man ganz genau
am Kinderkopf die Spur der Keile ...
macht's der Lehrer wieder heile.
Und wenn der das nicht alleine vermag,
hat er Experten unter Vertrag.
Jedes Übel auf der Welt
wird dem Lehrer hingestellt,
dass er alles grade biege,
über jede Unbill siege
und sich bitteschön beeile:
Lehrer, mach es wieder heile!
Worauf mancher Lehrer heimlich erwogen:
Wir ham ja noch Sozialpädagogen!
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